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Who is Who
(Bilanz)
Nicht nur bei den (Jung-)Unternehmern, auch in
der Unternehmerförderung sind in erster Linie Kreativität und
Innovationsgeist gefragt. Die BILANZ stellt Leute vor, die mit
wegweisenden Initiativen Aufmerksamkeit errungen haben.
Von Stefan Kyora und Claus Niedermann
Die Förderer und Venture-Profis
Gary Martini weiss das Nützliche mit dem
Guten zu verbinden: Als Unternehmer, der für Venture Capital-Gesellschaften
den Markt beobachtet, hat er vor rund zwei Jahren zusammen mit dem Chef
der welschen Chipdesign-Firma Crossmos, Walter Hammer, die Vereinigung zur
Anwendung und Förderung elektronischer Technologien (APTE) gegründet;
eine Vereinigung, deren Mitgliederverzeichnis sich heute wie ein Führer
durch die Schweizer Mikroelektronik und Mikrotechnologie-Szene liest. Das
Nützliche dabei: Martini hört das Gras wachsen. Das Gute: Die Schweiz
ist mit APTE zu einer Mikrotechnik-Drehscheibe gekommen, die weltweit
ihresgleichen sucht. Mit ihrem News-Service und ihren "Apteros"
ist die APTE zum einem der zentralen Kontaktforen des Werkplatzes Schweiz
geworden. Da wundert es nicht, dass mittlerweile auch etliche Hoch- und
Fachhochschulen sowie Venture-Capital-Gesellschaften zu den Mitgliedern
gehören; so zum Beispiel die UBS-Tochter Aventic Partners AG mit ihrem
Managing Director Christof Wolfer. An die Grösse ihrer Mitgliedsfirmen
stellt die APTE keine Forderungen: "Von der Siemens bis zur
One-Man-Show: Bei uns hat jeder Platz," sagt Martini. Entscheidend
ist die Qualität. Und um bei der Zulassung der Mitglieder weiterhin freie
Hand zu haben, verzichtet Martini auch auf jede Form von öffentlicher
Unterstützung: "Wir kommen aus der Industrie, wir haben den Bund
nicht einmal angefragt."
Jean-Luc Mossier, der neue Direktor des Parc
Scientific der ETH Lausanne (EPFL) in Ecublens, hat von seinem Vorgänger
Bernard Vittoz, der weiterhin als Präsident der Trägerstiftung amten
wird, ein gewichtiges Projekt übernommen: Das sogenannte "E.Center",
ein Brutkasten für neue Unternehmen aus den Bereichen E-Commerce,
Telekommunikation und Software. Im nächsten Sommer wird der Grundstein
des 14-Millionen-Franken-Projektes gelegt, und wenn alles so läuft wie
vorgesehen, werden bereits Mitte 2001 die ersten Räume bezugsbereit sein.
Das "Concept des Incubateurs" sieht vor, dass die Start-ups im
neuen E.Center auf ein umfassendes Dienstleistungspaket zurückgreifen
können: Auf Wunsch wird den Firmen die Buchhaltung übernommen, dazu
kommen sie in den Genuss eines kompetenten Coachings und schliesslich
werden ihnen noch zahlreiche Kontaktgelegenheiten mit den bereits im
Wissenschaftspark ansässigen Firmen geboten. Laurent Piguet, an der EPFL
für die Start-ups und Spin-offs verantwortlich, setzt grosse Hoffnungen
ins E.Center: "Das wird unsere jungen Leute zusätzlich ermutigen."
- Mossiers Brutkasten relativiert übrigens auch den Streit um die
Biotech-Offensive des neuen EPFL-Präsidenten Patrick Aebischer: Viele
argwöhnten, Aebischer wolle den E-Commerce-Bereich in Zukunft
vernachlässigen. Doch das E.Center zeigt deutlich, dass man das eine tun
kann ohne das andere zu lassen
Susan Kish, Managing Director First Tuesday
Zurich, und Negar Ayromloo, Gründungsmitglied von First Tuesday Zurich
und CEO von Swissinvest.com, schaffen Treffpunkte, die nicht nur nach
ihrer Ansicht in unserer technisierten Welt fehlen. Um der Einsamkeit der
Internetnutzer abzuhelfen, organisiert First Tuesday weltweit Treffen für
Internet-Jungunternehmer, wo sie nicht nur Gleichgesinnten, sondern auch
guten Partien aus dem Lager der Venture Capitalists näherkommen. Susan
Kish stellt fest, Geldgeber könnten an den Treffen einen Jungunternehmer
persönlich kennenlernen: "Look him in the eyes and see if he can do
it". Weil an den offenen Veranstaltungen am jeweils ersten Dienstag
eines Monats Hunderte Jungunternehmer, Venture Capitalists und
Finanzberater teilnehmen, wird es mitunter schwierig, den richtigen
Partner oder die richtige Partnerin zu finden. Deswegen organisiert First
Tuesday nun zusätzlich "Matchmaking Events", an denen von
McKinsey und First Tuesday ausgewählte Start-ups und Investoren
zusammenkommen. Für Ordnung an den Events sorgen sogenannte Dancing
Cards, die festlegen, welche Investoren die Unternehmer in Augenschein
nehmen dürfen. Dass der Finanzplatz Zürich ein gutes Parkett für solche
Anlässe bietet, wird nicht nur durch die Wahl der Schweizer Börse SWX
als Ort für das zweite internationale Matchmaking Event unterstrichen.
Neun der 28 Investoren, die Read Fahs, der weltweite First Tuesday-Chef am
14. März begrüssen konnte, stammten aus der Schweiz.
Charles J. Zijderveldt hat ein Faible für
Menschen in heiklen Situationen. Mitte der 90er Jahre beriet er als
Outplacement-Berater entlassene Manager. Seit Anfang 1999 ist er
Präsident des Start-up Gründungszentrums in Zürich, das im Mai 2000
erstmals einen Preis für Jungunternehmer vergibt. Die prominent besetzte
Jury - zu ihr gehören Swiss Re-VR-Präsident Ulrich Bremi,
Stadtpräsident Josef Estermann, ETH-Rektor Konrad Osterwalder sowie der
Direktor der Boston Consulting Group - wird aber nicht nur
den erfolgreichsten Zürcher Start-up auszeichnen, sondern auch ein
gescheitertes Unternehmen. Auch gescheiterte Unternehmer verdienten
Respekt, meint Zijderveldt: "Sie haben wenigstens den Versuch gewagt."
Martin Honegger, Leiter des
Geschäftsbereiches KMU bei der IBM Schweiz will die Schweizer KMU als
Kunden oder Business-Partner gewinnen. Das ist die eine Seite des
Geschäfts. Anderseits ist Honegger als Vertreter eines führenden IT-Hauses
auch daran interessiert, dass der Markt generell wächst. Und wer trägt
mehr zum gegenwärtigen "New Economy"-Boom bei als all die
"dot.com"-Start-ups, die mit neuen Geschäftsideen, die
IT-Revolution aus den Büros in die Realwirtschaft tragen? Um diese Firmen
zu unterstützen, fährt die IBM schon seit einiger Zeit ein Programm, das
Entwicklerfirmen in den Genuss von günstigen Bezugsbedingungen für Hard-
und Software bringt. Neu ist nun, dass auch Internet-Firmen unterstützt
werden können, deren Kernkompetenzen möglicherweise in IT-fernen
Branchen liegen; zum Beispiel Firmen, die das Internet nur als
Vertriebskanal nutzen. Sie profitieren jetzt von einem Leasing-Modell, bei
dem der Käufer eines IBM-Produkts per saldo nur noch 48 Prozent des
Listenpreises auslegt; und dies erst noch verteilt über zwei Jahre. Um
die Geschäftsideen dieser Jungfirmen tatsächlich beurteilen zu können,
hat sich die IBM an der Venture Capital Gesellschaft ETF von CEO Giorgio
Ronchi beteiligt: Die "Due Dilligence" der Jungfirmen
übernehmen die Tessiner Risikokapitalisten, und wenn sie in eine Firma
investieren, steigt auch die IBM mit ihren Finanzierungshilfen ein. Die
Initiative, vor gut einem halben Jahr weltweit lanciert, trägt den Namen
"NetGen" und wird dieser Tage auf breitere Füsse gestellt: Die
IBM Schweiz lädt ausgewählte Risikokapitalgesellschaften ein, an dem
Programm teilzunehmen.
Beat Schillig, Geschäftsführer des St.
Galler Instituts für Jungunternehmer (IFJ), führt nicht nur
Intensivkurse und Workshops für Neuunternehmer durch, er ist auch sehr
aktiv mit seinen "Starter-Aperos". Die Jungunternehmertreffs
finden mittlerweile in den fünf grossen Schweizer Agglomerationen statt
und gewinnen laufend an Beliebtheit. Das wundert allerdings wenig: Denn zu
den Referenten gehören Leute, um welche das IFJ wohl von manchen anderen
Tagungsveranstaltern beneidet wird. So referierte schon der Swisscom
KMU-Verantwortliche Ueli Streit über "E-Commerce: Die Chance für
Jungunternehmer" oder SECO-Chef David Syz diskutierte mit den
anwesenden Innovatoren über die "Vereinfachung der
Gründungsadministration".
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