APTE Association presents:
Bilanz "New Market" Mai 2000

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(Bilanz)


Nicht nur bei den (Jung-)Unternehmern, auch in der Unternehmerförderung sind in erster Linie Kreativität und Innovationsgeist gefragt. Die BILANZ stellt Leute vor, die mit wegweisenden Initiativen Aufmerksamkeit errungen haben.

Von Stefan Kyora und Claus Niedermann


Die Förderer und Venture-Profis
Gary Martini weiss das Nützliche mit dem Guten zu verbinden: Als Unternehmer, der für Venture Capital-Gesellschaften den Markt beobachtet, hat er vor rund zwei Jahren zusammen mit dem Chef der welschen Chipdesign-Firma Crossmos, Walter Hammer, die Vereinigung zur Anwendung und Förderung elektronischer Technologien (APTE) gegründet; eine Vereinigung, deren Mitgliederverzeichnis sich heute wie ein Führer durch die Schweizer Mikroelektronik und Mikrotechnologie-Szene liest. Das Nützliche dabei: Martini hört das Gras wachsen. Das Gute: Die Schweiz ist mit APTE zu einer Mikrotechnik-Drehscheibe gekommen, die weltweit ihresgleichen sucht. Mit ihrem News-Service und ihren "Apteros" ist die APTE zum einem der zentralen Kontaktforen des Werkplatzes Schweiz geworden. Da wundert es nicht, dass mittlerweile auch etliche Hoch- und Fachhochschulen sowie Venture-Capital-Gesellschaften zu den Mitgliedern gehören; so zum Beispiel die UBS-Tochter Aventic Partners AG mit ihrem Managing Director Christof Wolfer. An die Grösse ihrer Mitgliedsfirmen stellt die APTE keine Forderungen: "Von der Siemens bis zur One-Man-Show: Bei uns hat jeder Platz," sagt Martini. Entscheidend ist die Qualität. Und um bei der Zulassung der Mitglieder weiterhin freie Hand zu haben, verzichtet Martini auch auf jede Form von öffentlicher Unterstützung: "Wir kommen aus der Industrie, wir haben den Bund nicht einmal angefragt."


Jean-Luc Mossier, der neue Direktor des Parc Scientific der ETH Lausanne (EPFL) in Ecublens, hat von seinem Vorgänger Bernard Vittoz, der weiterhin als Präsident der Trägerstiftung amten wird, ein gewichtiges Projekt übernommen: Das sogenannte "E.Center", ein Brutkasten für neue Unternehmen aus den Bereichen E-Commerce, Telekommunikation und Software. Im nächsten Sommer wird der Grundstein des 14-Millionen-Franken-Projektes gelegt, und wenn alles so läuft wie vorgesehen, werden bereits Mitte 2001 die ersten Räume bezugsbereit sein. Das "Concept des Incubateurs" sieht vor, dass die Start-ups im neuen E.Center auf ein umfassendes Dienstleistungspaket zurückgreifen können: Auf Wunsch wird den Firmen die Buchhaltung übernommen, dazu kommen sie in den Genuss eines kompetenten Coachings und schliesslich werden ihnen noch zahlreiche Kontaktgelegenheiten mit den bereits im Wissenschaftspark ansässigen Firmen geboten. Laurent Piguet, an der EPFL für die Start-ups und Spin-offs verantwortlich, setzt grosse Hoffnungen ins E.Center: "Das wird unsere jungen Leute zusätzlich ermutigen." - Mossiers Brutkasten relativiert übrigens auch den Streit um die Biotech-Offensive des neuen EPFL-Präsidenten Patrick Aebischer: Viele argwöhnten, Aebischer wolle den E-Commerce-Bereich in Zukunft vernachlässigen. Doch das E.Center zeigt deutlich, dass man das eine tun kann ohne das andere zu lassen


Susan Kish, Managing Director First Tuesday Zurich, und Negar Ayromloo, Gründungsmitglied von First Tuesday Zurich und CEO von Swissinvest.com, schaffen Treffpunkte, die nicht nur nach ihrer Ansicht in unserer technisierten Welt fehlen. Um der Einsamkeit der Internetnutzer abzuhelfen, organisiert First Tuesday weltweit Treffen für Internet-Jungunternehmer, wo sie nicht nur Gleichgesinnten, sondern auch guten Partien aus dem Lager der Venture Capitalists näherkommen. Susan Kish stellt fest, Geldgeber könnten an den Treffen einen Jungunternehmer persönlich kennenlernen: "Look him in the eyes and see if he can do it". Weil an den offenen Veranstaltungen am jeweils ersten Dienstag eines Monats Hunderte Jungunternehmer, Venture Capitalists und Finanzberater teilnehmen, wird es mitunter schwierig, den richtigen Partner oder die richtige Partnerin zu finden. Deswegen organisiert First Tuesday nun zusätzlich "Matchmaking Events", an denen von McKinsey und First Tuesday ausgewählte Start-ups und Investoren zusammenkommen. Für Ordnung an den Events sorgen sogenannte Dancing Cards, die festlegen, welche Investoren die Unternehmer in Augenschein nehmen dürfen. Dass der Finanzplatz Zürich ein gutes Parkett für solche Anlässe bietet, wird nicht nur durch die Wahl der Schweizer Börse SWX als Ort für das zweite internationale Matchmaking Event unterstrichen. Neun der 28 Investoren, die Read Fahs, der weltweite First Tuesday-Chef am 14. März begrüssen konnte, stammten aus der Schweiz.


Charles J. Zijderveldt hat ein Faible für Menschen in heiklen Situationen. Mitte der 90er Jahre beriet er als Outplacement-Berater entlassene Manager. Seit Anfang 1999 ist er Präsident des Start-up Gründungszentrums in Zürich, das im Mai 2000 erstmals einen Preis für Jungunternehmer vergibt. Die prominent besetzte Jury - zu ihr gehören Swiss Re-VR-Präsident Ulrich Bremi, Stadtpräsident Josef Estermann, ETH-Rektor Konrad Osterwalder sowie der Direktor der Boston Consulting Group - wird aber nicht nur den erfolgreichsten Zürcher Start-up auszeichnen, sondern auch ein gescheitertes Unternehmen. Auch gescheiterte Unternehmer verdienten Respekt, meint Zijderveldt: "Sie haben wenigstens den Versuch gewagt."


Martin Honegger, Leiter des Geschäftsbereiches KMU bei der IBM Schweiz will die Schweizer KMU als Kunden oder Business-Partner gewinnen. Das ist die eine Seite des Geschäfts. Anderseits ist Honegger als Vertreter eines führenden IT-Hauses auch daran interessiert, dass der Markt generell wächst. Und wer trägt mehr zum gegenwärtigen "New Economy"-Boom bei als all die "dot.com"-Start-ups, die mit neuen Geschäftsideen, die IT-Revolution aus den Büros in die Realwirtschaft tragen? Um diese Firmen zu unterstützen, fährt die IBM schon seit einiger Zeit ein Programm, das Entwicklerfirmen in den Genuss von günstigen Bezugsbedingungen für Hard- und Software bringt. Neu ist nun, dass auch Internet-Firmen unterstützt werden können, deren Kernkompetenzen möglicherweise in IT-fernen Branchen liegen; zum Beispiel Firmen, die das Internet nur als Vertriebskanal nutzen. Sie profitieren jetzt von einem Leasing-Modell, bei dem der Käufer eines IBM-Produkts per saldo nur noch 48 Prozent des Listenpreises auslegt; und dies erst noch verteilt über zwei Jahre. Um die Geschäftsideen dieser Jungfirmen tatsächlich beurteilen zu können, hat sich die IBM an der Venture Capital Gesellschaft ETF von CEO Giorgio Ronchi beteiligt: Die "Due Dilligence" der Jungfirmen übernehmen die Tessiner Risikokapitalisten, und wenn sie in eine Firma investieren, steigt auch die IBM mit ihren Finanzierungshilfen ein. Die Initiative, vor gut einem halben Jahr weltweit lanciert, trägt den Namen "NetGen" und wird dieser Tage auf breitere Füsse gestellt: Die IBM Schweiz lädt ausgewählte Risikokapitalgesellschaften ein, an dem Programm teilzunehmen.


Beat Schillig, Geschäftsführer des St. Galler Instituts für Jungunternehmer (IFJ), führt nicht nur Intensivkurse und Workshops für Neuunternehmer durch, er ist auch sehr aktiv mit seinen "Starter-Aperos". Die Jungunternehmertreffs finden mittlerweile in den fünf grossen Schweizer Agglomerationen statt und gewinnen laufend an Beliebtheit. Das wundert allerdings wenig: Denn zu den Referenten gehören Leute, um welche das IFJ wohl von manchen anderen Tagungsveranstaltern beneidet wird. So referierte schon der Swisscom KMU-Verantwortliche Ueli Streit über "E-Commerce: Die Chance für Jungunternehmer" oder SECO-Chef David Syz diskutierte mit den anwesenden Innovatoren über die "Vereinfachung der Gründungsadministration".

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